letztes Kapitel

so das war jetzt mein vermutlich letzter blogeintrag. bald beginnt ein neues Leben für mich- ein Leben wie ich es mir über all die Monate, Jahre gewünscht habe. ich schließe mit einem zitat des Dramatikers Simon Stephens ab:  "Eine Kleinstadt hat nur dieses Gute an sich: You hate it and you know you gonna leave"

... und natürlich Danke an alle, die so fleißig meinen Blog gelesen haben!

19.8.08 17:31, kommentieren

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Südschweden- eine Reiseerzählung

Es war eine besondere Reise. Es war ein Aufbrechen und Ankommen. Auf den tausend Seen spiegelten sich Sonne und Wolken. Alles war in dieses seltsame Licht gehüllt. Am Rande des Sees lagen Felsen und Nadelwälder – vereinzelt rote Holzhäuser. Ich liebe diese Häuser. Jedes scheint leise zu rufen:  „Komm hierher, wohne hier! In diesem Haus wirst du glücklich sein“. In den Städten stehen die Prachtvillen. Überall kann man blonde, fröhliche Kinder beobachten. Das Land wie wir es aus den Astrid Lindgren Büchern kennen scheint tatsächlich zu existieren. Das nächste Mal besuchen wir vielleicht Pippi Langstrumpf. Alles scheint hier so sorgenfrei. Was braucht der Mensch mehr als ein kleines Holzhäuschen am See? Wir idealisieren die Fremde. Sie bietet diese einmaligen Momente. Ein Sonnenuntergang am Meer, zusammen sitzen wir um das Feuer, kochen uns Nudeln mit leckere Soße. Alles ist vergessen. Die Zeit. Die Sorgen. Alles ist Moment. Es zählt nur das Hier und Jetzt. Urlaub? Bis dahin war das Reisen ein kleines Abenteuer: nicht zu wissen wohin, wann, wie und niemand der uns viel sagen kann und doch haben wir es geschafft anzukommen. Immer und immer wieder kommen wir an neuen, fremden Orten an. Wir paddeln gelassen über den See ohne Horizont. Ein Schloss, ein Fischerdörfchen, ein kleiner Hafen, ein paar einsame Holzhäuser. Wir kommen zu der Stelle, an der man über das Wasser laufen kann. Ist das alles echt? Wo geht es als nächstes hin? Wir nehmen Umwege, steigen an den falschen Haltestellen aus, stranden an merkwürdigen Orten, sind zu anderen Zeiten an anderen Orten als geplant. Alles ist ein wenig anstrengend, chaotisch und doch lernt man auf diesen Umwegen die wichtigsten Dinge: es gibt keinen einzig richtigen Weg. Jeder vermeintliche Umweg kann sich als eine Abkürzung entpuppen. Wie viele Bekanntschaften wären uns flöten gegangen, wären wir auf den geraden Wegen gelaufen? Auf wie viele schöne Momente hätten wir verzichten müssen? Improvisation ist alles. Aus den einfachen Dingen versucht man viel zu machen. Alles kommt immer anders als man denkt, aber am Ende bekommt man auf den verschlungenen Pfaden die besten Einfälle und am Ende schmeckt es- manchmal vielleicht nur ok, manchmal gut und manchmal da ist alles einfach nur großartig!

19.8.08 17:02, kommentieren

Liebe braucht Fantasie

Heute ist so ein Tag an dem man Oasis hört. Das Wetter ist gut, aber man möchte einfach nur vor dem Computer sitzen und darüber grübeln wie schön es war als man noch unglücklich verliebt war.

Das war ein schöner Moment- ein Moment von Tragedy. Jetzt sitze ich hier wieder allein. Wir schauten gerade noch Filme an über das Leben und die Liebe, in der die Fantasie niemals erliegt. Ich langweile mich schnell.  Die Rolle des Suchenden scheint mir vorherbestimmt.

Es ist eine sternenklare Nacht. Ein Feld. Ein Feuer. Irgendwo spielt jemand Gitarre und singt dazu. In Gegenwart von netten Menschen feiern wir leise. Doch es fehlt etwas. Ich habe ein gutes Buch gelsen: Plattform. Es handelt von der großen Liebe und ich frage mich: Können wir ohne glücklich zu lieben, wirklich glücklich leben?

Whispering Wind . Seit Wochen habe ich dich nicht gesehen- kaum etwas von dir gehört. Gestern Nacht kam meine Schwester in mein Zimmer. Sie hielt mich wach und wir redeten über die Liebe. Wir kamen zum Ergebnis: Liebe braucht Leidenschaft. Es ist zu einfach die zu wollen, die wir haben können, denn dabei bleibt die Fantasie auf der Strecke.

Kontaktanzeigen führen bekannterweise nur selten zum großen Glück. Der Grund: Es gelingt uns nicht die Eigenschaften derer Menschen zu definieren, in die wir uns verlieben könnten. Es ist unwichtig, wie sie uns behandeln, es ist unwichtig wie sie aussehen, es ist unwichtig was sie wollen, es ist unwichtig über welchen Beruf, welcheTugenden, über welche Werte und Interessen sie verfügen. Es ist unwichtig wer sie sind. Das alles spielt erst viel später eine Rolle. Anfangs ist nur entscheidend, was zwischen zwei Polen passiert: Fantasie.

Ich will wieder von dir inspiriert werden. Die Geschichten, die ich für dich schrieb, sind meine Lieblingsgeschichten.  Ich will spontan sein können: einfach machen ohne groß darüber nachdenken zu müssen- das funktioniert: du hast es mir gezeigt.

Du?! Wer bist du eigentlich? Existierst du überhaupt? Du tauchst in meinen Träumen auf. Du stehst in meiner ICQ- contactlist. Ich habe gehört du lebst noch- viel mehr auch nicht. Es ist mir zu anstrengend geworden alle Anspielungen zu deuten- ich habe einfach versucht dich zu vergessen. Doch du bleibst der schwirrende Geist.

19 Kommentare 30.6.08 19:18, kommentieren

Sigur Ros

Dieses Geräusch- leise- vielleicht mit ein wenig Geige. Warum ist es noch hell? Die Welt wird bald untergehen hinein in die Schatten aus denen sie erwachsen ist. Weltende. Viele Menschen stehen auf diesem Platz- sie werden mitgerissen. Es gibt keine Chance zu entkommen. Wir müssen loslassen-  alles loslassen was wir bisher kannten. Diese fremden Klänge, deren Text wir nicht verstehen, erzählen vom Schmerz. Wir lauschen. In uns wohnt die Furcht. Es fürchten sich die, die jeden Morgen mit dem Schmerz in der Brust aufwachen in Gedanken an einen geliebten Menschen, der sie längst verlassen hat und es fürchten sich die, die vom Schmerz keinen Begriff haben. Wir haben Hoffnung- die Hoffnung, dass wir, wenn wir leiden, nicht umsonst leiden. Auf verbrannter Erde wachsen die prächtigsten Blumen. Die Geschichten der Leidenden, der Leidenschaftlichen, sind die schönsten Geschichten. Niemand ist allein.

1 Kommentar 29.6.08 03:15, kommentieren

Viva la Revolucion- die Zeiten sind vorbei!

Sternstunden. Manchmal da gibt es Momente, in denen wir die Chance bekommen, dass zu tun, was wir wirklich wollen: für eine bessere Welt kämpfen. Ersatzweise schaue ich mir meine Lieblingsfilme an: Die Fetten Jahre sind vorbei. Auf der anderen Seite. Die Hauptdarsteller leben in der gleichen Welt, der gleichen Zeit, dem gleichen Gefühl. Wenn Menschen davon abgehalten werden, dass zu tun was sie am meisten wollen, gefährden sie andere oder sich selbst. „Vielleicht bist du einfach jemand, der gerne kämpft“- ja, vermutlich sind wir das. Lasst uns lieber!

 Wir leben in einer Zeit in der es so scheint als gäbe es keine Möglichkeit, keine Hoffnung auf die große Verränderung. „Alles ist schon mal da gewesen“, die Möglichkeiten sind erschöpft. Wir können zu amnesty gehen und für die Menschenrechte kämpfen oder uns  bei attac  für eine gerechtere Globalisierung einsetzten. Wir können der Welthungerhilfe und Greenpeace ein bisschen Geld spenden. Wir können Coca-Cola und H&M boykottieren. Das „große Ganze“ aber kann nur vom Ganzen, einer Masse, allen bewegt werden.  Probleme sind seit 68 nicht verschwunden, sie haben sich nur auf einen anderen Schauplatz verlagert: auf dem Weg von Afrika nach Europa sterben die Menschen in den Meeren oder landen weit weg von ihrer Heimat dort, wo sie niemand haben will. Sie reisen den Fischen hinterher, die sie früher vorm Verhungern retteten und jetzt gierige Mäuler in der EU stopfen. Die EU hingegen schickt ihnen, ach wie großzügig, ihren subventionierten Müll- billiger subventionierter Müll, der jede einheimische Produktion nicht wettbewerbsfähig sein lässt.  Die Erfinder des Marktes haben die Erlaubnis ihre eigenen Regeln zu machen und wer keine Lust hat mitzuspielen, bekommt keine Entwicklungshilfe mehr. Geld ist alles was zählt. Wir sind weit weg von den Grenzen der EU, weit weg von Afrika, aber die Fische vor den Küsten landen in unseren Mäulern. Wir sind machtlos. Wir verzichten auf Fisch und Fleisch, aber an den Zuständen ändert das nicht. Wir können uns manchmal immerhin weigern Blut zu lecken. Ein schwacher Trost.

Meiner Generation ist langweilig. Manchen bereitet das eine schlimme Depression. Wir haben kein Interesse an Verränderung. Es geht uns super!  Vielleicht sollten wir irgendetwas kaputtmachen, anzünden oder uns schlagen.

5 Kommentare 4.6.08 01:05, kommentieren

Exklusive Clubs

Heute war mein letzter Tag, der letzte Tag zweier Monate in einer für mich völlig anderern Welt. Der Anreiz war das Geld, der Gewinn die Erfahrung. Was braucht der Mensch im Leben? Geld? Auto? Haus? Freunde? Familie? Arbeit? Zeit? Der Mensch hat vermutlich im Leben nur einen Auftrag: seine Gene weiterzugeben. Alles andere ist das Design. Das Design ist wichtig. Ein Produkt ohne ansprechendes Design wird sich nicht verkaufen, aber ein Produkt ohne Inhalt ist nichts wert. Das Produkt muss uns das Gefühl geben zu einem exklusiven Club zu gehören. Wir wollen alle zu einem exklusiven Club gehören. Es gibt viele dieser Clubs. Man teilt dort gemeinsame Werte, engagiert sich für ein gemeinsames Ziel und gibt sich gegenseitig Halt und Kraft. Wer dem Club angehört ist geschützt vor Vereinsamung in der kapitalistischen Welt. In einer Welt, in der die Kirche und der Staat schon lange die wesenlichen Dinge nicht mehr beeinflussen, bietet ein exklusiver Club die Möglichkeit weiterhin seinen Glauben zu praktizieren. Ob man an Gott, die Liebe, die Gerechtigkeit, die Weltrevolution, die Freiheit oder an Adolf Hitler glaubt- für jeden gibt es einen exklusiven Club.  Ich glaubte daran meine Schule verrändern zu können, deshalb fanden wir uns zusammen und übernahmen die SV. Es war meine schönste Zeit in der Schule- ich fühlte mich stark, wichtig, respektiert und stolz. Ich hatte einen Arbeitskollegen. Der Arbeitskollege glaubte an die Nazis, deshalb fand er sich bald wieder in der rechten Szene. Es war eine schöne Zeit- er fühlte sich stark, wichtig, respektiert und stolz. Andere gehen in die Kirche . Exklusive Clubs - nur indem wir uns ihnen unterwerfen, können wir uns in ihnen stark fühlen. Ich kaufe mir die Dinge, die man im exklusiven Club der Reisenden und Studierenden besitzen sollte. Andere bezahlen Kirchensteuer oder überweisen ihr Vermögen an Scientoligy. Der Mensch würde alles tun um irgendwo dazuzugehören.

2 Kommentare 1.6.08 03:33, kommentieren

"Heute Nacht habe ich von dir geträumt"

Jede Nacht komme ich in letzter Zeit nach Hause, manchmal ist es noch früh, manchmal schon hell, aber niemals lege ich mich schlafen. Letztes Wochenende versuchte ich festzuhalten wie glücklich ich an diesem einen Abend gewesen bin. Ich war wieder vereint mit den zwei mir wirchtigsten Freunden- nur für einen kurzen Moment. Es war wunderbar hoffnungsvoll  lachen zu können.

In dieser Nacht habe ich geträumt ich könne fliegen. Es war ganz einfach. Ich stand im Wohnzimmer und konzentrierte mich darauf, dass meine Füße vom Boden abhebten. Nach einem kurzen Moment der Anstrengung schaffte ich es. Ich hebte ab und flog durch die offene Terassentür ins Freie. Im Garten versuchte ich an Höhe zu gewinnen, nahm all meine innere Energie zusammen und entfernte mich weiter und weiter vom Boden. Ich konnte es kaum glauben. Alles war so real- ich konnte fliegen ohne das mir je Flügel gewachsen wären.

Ich habe immer wieder diese Träume. Irgendwann gelange ich immer an diesen Punkt an dem alles so real ist.An diesem Morgen blickte ich in den Spiegel und meine Haare waren kurz, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich sie selbst geschnitten oder sie jemand anderen hätte schneiden lassen.

Ein anderer Morgen: In der Stadt stehe ich vor einem Geschäft, das Wolle und all diese Dinge, die man zum nähen braucht, verkauft. Ich gehe hinein und sehe, dass einer von ihnen dort arbeitet. Als ich das Geschäft verlassen habe sehe ich ihn wie er, an die Tür gelehnt, mich ansieht. Er sieht ungeheuer gut aus.  Seine Haare liegen wie immer wunderbar- einzelnen Stränen fallen ihm in sein Gesicht. Doch etwas ist anders: Er lächelt, er lächelt ohne dabei betrunken zu sein.  Alles erscheint total real.

Dann wache ich auf. Ich kann nicht fliegen, meine Haare sind noch lang und ich weiß meine Liebe ist gefangen in Gedanken.

 Es gibt Menschen, die einen immer schon anziehen. Man weiß man hat es mit Idioten zu tun, aber das ist einem egal. Man muss sie nicht heiraten, man will ihnen einfach nur Nahe sein. Sie werden einem die Herzen brechen, aber das  sind sie wert. Ein bisschen Glanz soll von ihnen auf uns herabfallen.  Man himmelt sie an. Wenn man sie kennen lernt, wird man verlernen sie anzuhimmeln. Wir haben es niemals mit Engeln zu tun- alles nur Menschen. Ich will nur eine Nacht- eine Nacht mit einem Engel.

Ich kaufe mir die Bücher, die sie mögen. Ich höre die Musik, die ihnen gefällt. Ich schaue mir die Filme an, die sie begeistern. Manchmal fahre ich in die Länder, die Städte, die Dörfer aus denen sie kommen. Immer in der Hoffnung ihnen zu begegnen und ihnen vielleicht sagen zu können "Heute Nacht habe ich von dir geträumt".

6 Kommentare 18.5.08 21:21, kommentieren

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