Straßen in unwegsamen Gelände

Der Mond leuchtet hell durch den Spiegel im Inneren des Fahrzeugs. Die Nacht ist hell. Einsame Straßen, unbefestigt und schmal, leiten durch die weite Landschaft. Das Licht wirft die Welt in Schatten. Björk- die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Es kreuzen sich die Wege. Es kommt zusammen, was zusammen kommen soll und es trennt, was sich trennen soll. Die Welt nimmt ihren Lauf- ob mit uns oder ohne uns. Wer die ersten Straßen für die Menschen baute,  schuf der Menschheit größtes Glück oder auch deren Untergang. „Connecting people“- ein einfacher, aber durchaus genialer Slogan, denn er gefällt.  Doch sollen Menschen aus unterschiedlichster Kultur überhaupt verbunden werden? Überfordern all die Herausforderungen, die sich dem monokulturellen Menschen in der multikulturellen Welt stellen, uns nicht? Der Horizont ist endlich erweiterbar. Man sagt zu viel Geld verderbe den Charakter- vielleicht trifft das auch auf die Menschen mit zu vielen Möglichkeiten zu. Am Ende landen viele beim Bund. Freiwillig nehmen sie die Qual auf sich, schwitzen und leiden- aber nicht fürs Vaterland (Kriegserklärung an Deutschland nicht in Aussicht). Unterwerfung im Sinne der Horizonterweiterung.  Ihr Auftrag ist es Straßen durch unwegsames Gelände zu bauen. Die Entscheidung ob wir dabei Richtiges tun steht uns nicht zu.

18.5.08 14:30, kommentieren

Werbung


leere bildschrime

21 grammes. meine augen fühlen sich schwer an. ich meide kontakte zur außenwelt. zu lange lag ich in der sonne, zu lange habe ich auf leere bildschirme gestarrt. ich sah nur die bilder vor den geschichten, die andere aus der Fassung bringen. die vögel wie sie fliegen und wie ihre federn zu boden fallen. sequenzen in momenten, in denen wir nicht begreifen wollen und nicht begreifen müssen- das ist es wovon die faszination ausgeht. danke für diesen song- ich mag ihn. der film ist fertig und jemand schaltet um- das politische tagesgeschehen- nazis wieder auf dem vormarsch- Ach Nein doch lieber "was wird aus unseren Kindern" und "was" erst "aus der "rente"? das gefühl des rauschs darf nicht so schnell erlischen- schnell das medium wechseln und die kopfhörer auf. geschwindigkeit- überall die schlimmen dinge. sorgen,ängste- all das hält uns 20sekunden wach. ein guter film vielleicht ein paar minuten- bitte gehe nicht vorbei, bitte nicht! sommer, sonne und bücher- jede menge bücher- nichts anderes wie medien- ich frage: wo ist die welt? ich bereise gerne städte-nur ein kleiner besuch. dort leben oder doch lieber abstreichen? niemals abstreichen. das zweitbeste ist nie gut genug. abwarten- wo bleibt dabei die geschwindigkeit? wer weiß vielleicht ist alles ganz bald vorbei und dann? ich habe gelsen: regelbrechern, nonkonformisten gehört die welt von morgen- aha na dann. keine sorge oder vielleicht doch? glück verspricht die welt nämlich nicht- vielleicht geld. gefühl vorbei- kreativität ende. und jetzt? weitersingen oder untergehen?

1 Kommentar 8.5.08 23:29, kommentieren

Sorry, aber Langeweile bringt einen manchmal auf blöde Ideen

Nun sitze ich hier und bin gefesselt an den Ort von dem ich doch so unbedingt so schnell wie möglich weg wollte. Bequemlichkeit kehrt ein. Eine Stunde am Tag ein bisschen kreativ sein, essen, in der Sonne liegen und sich unterhalten, streiten über dies und das- dafür auch noch bezahlt werden und zwar ziemlich gut. Das hört sich wunderbar an. Endlich kann ich die Dinge tun für die man eigentlich niemals Zeit hat. Ich klebe Fotos von längst vergangenen Feten in Alben und erinnere mich an die tollsten Momente, die zwischen diesen 13 schrecklich langen Jahren Schule, lagen. Das Schweben in alten Erinnerungen machen einem wieder bewusst das selbst die bewegendsten Gefühle ein Ende haben. Gefühle sind immer an Momente geheftet. Natürlich bleibt immer etwas zurück- mindestens ein bisschen Melancholie, aber selbst die größte Liebe reiht sich ein in die lange Reihe großer Glücksgefühle, tiefer Trauer und alldem was dazwischen liegt.  Es gibt kein Grund in Mitleid zu versinken, die Achtung vor sich selbst zu verlieren- auch nicht für den tollsten Kerl, für den perfekten Kerl- wenn man einmal davon absieht, dass er uns nicht liebt. Es werden neue Momente kommen, neue Gefühle und hoffentlich bald auch andere Solisten. Das kleine Orchester, das man hier vorfindet, hatte noch nie viele Gitarristen. Dazu hatte ich dann auch noch 'ne wirklich blöde Idee. Ich dachte umso schneller ich renne, umso mehr Abkürzungen ich nehme, desto schneller fühle ich mich frei, desto schneller komme ich los von diesen kreischenden Gitarren in meinem Herzen. Das ging leider nach hinten los:  stattdessen fiel ich in den Orchestergraben und jetzt habe ich mir die Bänder gerissen und sitze hier noch tiefer fest. Manchmal da gibt es wirklich Anlass an Schicksal zu glauben oder zumindest an eine gewisse Ironie, die in alldem liegt. Jetzt habe ich gerade noch so eine blöde Idee- ich schreibe hiermit eine Kontaktanzeige. Suche Gitarristen mit Leidenschaft, rebellischen Gestus (sprich mindestens lange Haare) und Idealismus. Außerdem sollte er über einen starken Charakter (sprich niemanden brauchen um glücklich zu sein) und spontane, verrückte Ideen verfügen.  Bei Interesse schreibt man mir bitte einen netten Kommentar.

3.5.08 23:09, kommentieren

Kontrollverlust

Der erste Satz ist mein Satz. Kontrollverlust. Meine Finger bewegen sich und formen Buchstaben, Wörter, Sätze und Geschichten schneller als meine Gedanken.
Ich will die Kontrolle verlieren. Wir sehnen uns doch alle nach diesen selten Momenten- sich auf unbestimmte Zeit einfach fallen zu lassen, zu genießen, ohne Verantwortung, ohne Verpflichtung, ohne Erwartung. Es sind die Momente, in denen man sagen kann „Jetzt bin ich glücklich“ ohne zu zweifeln. Es existiert keine Angst, keine Gedanken. Where is my mind? Der Unterschied zwischen Realität und Traum verwischt. Erfüllung? Rausch? Ich stehe mitten in einer tanzenden, schwitzenden Menge und mein Körper bewegt sich ohne dass mein Kopf Befehle erteilt. Sex, Drugs and Rock’n’Roll.  Eine beeindruckende Bergwelt um mich herum, Stille und der funkelnde, unberührte Schnee, indem ich auf den Brettern, die mir hier und jetzt die Welt bedeuten, Spuren hinterlasse in dem Gefühl zu fliegen. Geschwindigkeit. Diese geniale Musik ertönt, macht mich bewegungsunfähig und berauscht im Moment als ich durch den Nebel fahre- nahezu blind auf der Straße, die ich so gut kenne und die mir heute so fremd erscheint. Theater, Film- wenn in „Ex Drummer“ Bilder, Sequenzen, die die Ästhetik des Hässlichen ausdrücken, verschmelzen mit starken Dialogen, die die Anziehungskraft der Perversität darstellen und durch eindrucksvolle Musik einen Film zu einem Kunstwerk abrunden. Man kann sich dem hingeben, was man mit allen Sinnen wahrnimmt. Auf einer Wiese zu liegen, seinem Atem zu horchen, freie Natur- hingabevoll. Die Zeit ist vergessen. Ich tauche unter Wasser und alles um mich herum verschwimmt, ist nur noch gedämpft wahrnehmbar- man entflieht und erwacht zugleich in einem neuen Element. In der Evolution haben sich Delphine entschieden das Leben auf dem Land aufzugeben um unter Wasser zu leben. Sie tauschten ihre Hände, ihr Handwerk gegen diesen kurzen Moment in Ewigkeit. Ob sie glücklicher sind? Realisten behaupten wir wären für das Land geschaffen, man solle leben anstatt zu träumen und arbeiten anstatt einfach Künstler zu sein. Ich bin mir nicht so sicher ob sie recht haben, ob sie wissen von wahrem Moment, wahrem Gefühl, wahrer Kunst. Wahre Kunst ist Gefühl-künstlich. Wahres Gefühl ist Kontrollverlust. Ich hasse es die Kontrolle zu verlieren. Wenn ich morgens aufwache und merke der Traum, in den ich mich fallen ließ, ist vorbei, dann fühle ich mich als lande ich in einem schwarzen Loch. Der Aufprall ist hart, weil so unerwartet. Ich stelle schmerzlich fest abhängig zu sein vom verlorenen Glück. Was passiert, wenn der Moment verflogen ist? Ich bin traurig, weine und verweigere das Aufstehen bis die Pflicht mich abholt. Pflicht bedeutet Zwang und doch ist dieser Weg der einzige, der aus einem schwarzen Loch führt. Rauschmittel im weitesten Sinne vergrößern nur die Fallhöhe. Keine Kompensation. Warum können wir keine Delphine sein? Warum vor allem können wir nicht ewig frisch (und glücklich) verliebt bleiben?

1.5.08 14:46, kommentieren

Promenaden oder Autobahnen?

Die Diskrepanz ist eine wunderbare Sache. Heute habe ich im Auto "Ärzte" gehört und die haben gesungen von den Dingen, die uns verbinden, weil wir uns in ihnen trennen- so oder ähnlich.

Abi rum; das ewige unglücklich Verliebtsein vorbei; Tschechienurlaub rum; Snowboarden vorbei. Alles neu- whatever.

Ich verdiene jetzt Geld und habe Angst vor dem Lottogewinn-Effekt. Die meisten Lottogewinner haben 5 Jahre nach ihrem Gewinn weniger als vorher. Ich könnte mir alle materiellen Wünsche erfüllen, die ich bis heute habe. Ich könnte reisen. Ich könnte ausziehen. Ich könnte nach Indien fliegen, mein Lebenslauf beflügeln und dem Rest meiner kleinen Welt Sorge bereiten.

Jetzt entscheidet sich, ob wir auf den Promenaden wandeln oder doch lieber direkt zum Ziel. Vom Ziel habe ich ein Begriff: Journalistin will ich sein und schreiben, was die Welt erfahren soll. Ich habe für kurze Momente die Strände gesehen.

Doch statt an den Strand fahre ich mitten in der Nacht zum Fahrerhäuserputzen. Es riecht nach Lack, doch der Geruch verfliegt. Geräusche von Robertern und Farbspritzmaschinen- erst leise und dann unerträglich laut. Meine Gedanken umkreisen die Relativität von Zeit und die Langeweile der Monotonie. Um diese Zeit schlafen die Menschen, während wir ihre Transportmittel schaffen.

Ich treffe Menschen, die glauben hier nichts zu verpassen, die sich zufrieden geben. Mottoradtouren, Fußballspiele, Diskobesuche an freien Tagen, vielleicht Familie oder doch lieber ein neuer Imac- man kann alles haben, was man braucht. Dem Arbeiter im heutigen Kapitalismus geht es vielleicht besser, wie es Marx je hätte für möglich gehalten.

Aber da gibt es auch die Rebellen. Sie wollen das Werk streiken sehen und wenn man sie fragt warum, antworten sie: für alles, gegen alles. Die Rebellion ohne Ziel ist ein blinder Aufschrei aus der Langeweile, der Monotonie. Der Moment, indem ich selbst schreien konnte, war der glücklichste meines Lebens. Ein solcher Moment müsste man ihnen schenken. Ansonsten können wir nur Hoffnung verbreiten, Geschichten erzählen von früheren Tellerwäschern und Postbeamten. Es fällt schwer zu vermitteln, dass es sich lohnt für Träume zu kämpfen, idealistisch zu sein, wenn man es selbst viel leichter hat und gleichzeitig noch nichts geschafft.

 

1 Kommentar 7.4.08 18:07, kommentieren

Whatever

Es ist egal wer er ist. Leidenschaft, hohe Ansprüche, Kunst, Tracks. Es braucht nicht viele Worte- lediglich einer Gestalt, die geheimnisvoll genug ist um ihr diese Wörter zuzuschreiben. "Free to do whatever" ist  das nicht genug? Warum kann man nicht einfach allein sein. Das Alleinsein macht nicht einsam. An diesem Tag war der Höhepunkt ein paar Minuten Tracks schauen. Tracks ist so eine Insel in der undurchsichtigen Medienwelt- ein kleiner Bereich, indem wir erfahren was zwischen den Zeilen vor sich geht. Warum fragen alle, ob man die Kunst, die Liebe versteht? Natürlich verstehen wir die Liebe, die Kunst, die Musik, aber wieso glauben sie ernsthaft, dass man ihnen diese Dinge erklären könnte? Ich verpacke die Dinge gerne in neue Rätsel, aber deuten muss man diese selbst. Es ist die Zeit gekommen, in der wir im Kopieren richtig gut geworden sind. Erschreckend. Künstler brauchen hohe Ansprüche, denn etwas Geniales kann nur da geschaffen werden, wo es nichts gibt, was gefällt- wo es nichts gibt zum kopieren, nichts als Zeilen ohne Inhalt. Stone Roses. Brauchen wir wirklich Weggefährten auf dem Weg zur Selbstfindung? Bringen die Suchenden uns nicht vielmehr vom Weg ab? Ich denke da vor allem an diejenigen, die auf anderen Wegen wandeln, aber in Gedanken stets präsent bleiben. Ich kopiere ein Zitat: "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." Es macht stolz den Mut zu haben auf eigenen Wegen zu wandeln. Freiheit ist keine Angst zu haben. Absolute Freiheit besitzen ist Angst vor Nichts in der Welt haben. Jede Angst kann man überwinden. Manchmal haben wir das Glück und es reißen ein paar andere die Mauern ein und wir können hinterherschlüpfen, aber diese glücklichen Zufälle sind selten. Es schwirren die gleichen Dinge in meinem Kopf, Kopien der Kopien. Gestern bin ich eingeschlafen voller Angst am nächsten Tag die kleinen Dinge erledigen zu müssen und das alles nicht zu schaffen. Verantwortung für Entscheidungen, Konfrontation mit Dingen, die wir noch nie gemacht haben, Angst kommt auf uns zu- mit anderen Worten Freiheit. Heute schlafe ich ein und werde aufwachen zu einer neuen Hürde. Noch eine Woche und ich werde tanzen- tanzen bis meine Beine nicht mehr können, tanzen bis die Sonne aufgeht und tanzen bis alles von mir abgefallen ist, was mich jetzt so bedrückt. Es erwartet mich etwas Neues. Whatever

1 Kommentar 1.3.08 01:25, kommentieren

gescheiterte Revolutionäre

Definitiv abwarten, Laura!  Es kommt immer anders als man denkt- vor allem viel schneller- und schon ist alles anders. Gestern waren wir im Theater und sahen eine tolle Inszenierung. Anfangs verwirrt es, wenn man weder Handlung noch Charaktere verstehen und zuordnen kann, aber eine großartige Inszenierung schafft einen großen Spielraum der Interpretation. Hier der Versuch einer Deutung: Es ging um Narzissmus, die Überhöhung des Selbst, eine lähmende Gesellschaft, das Scheitern, das Gefühl unbedingt etwas tun zu müssen, aber nicht zu wissen was und schon gar nicht wie, um das Ausgeschlossen sein im Inneren und um die Freiheit. "Es hat noch keiner geschafft aus der Freiheit einer Notwendigkeit zu machen". Ihr Narzissmus hat sie verraten-die blaue Jacke, der Besitz von dem sie sich nicht zu befreien wussten. Ich klage sie nicht an. Sie reihen sich ein in die lange Reihe der gescheiterten Revolutionäre- vielleicht sind sie sogar mitverantwortlich für die Hoffnungslosigkeit unserer Generation. Wie könnte man Revolutionäre mehr bestrafen?

25.2.08 17:23, kommentieren

Werbung