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Kontrollverlust

Der erste Satz ist mein Satz. Kontrollverlust. Meine Finger bewegen sich und formen Buchstaben, Wörter, Sätze und Geschichten schneller als meine Gedanken.
Ich will die Kontrolle verlieren. Wir sehnen uns doch alle nach diesen selten Momenten- sich auf unbestimmte Zeit einfach fallen zu lassen, zu genießen, ohne Verantwortung, ohne Verpflichtung, ohne Erwartung. Es sind die Momente, in denen man sagen kann „Jetzt bin ich glücklich“ ohne zu zweifeln. Es existiert keine Angst, keine Gedanken. Where is my mind? Der Unterschied zwischen Realität und Traum verwischt. Erfüllung? Rausch? Ich stehe mitten in einer tanzenden, schwitzenden Menge und mein Körper bewegt sich ohne dass mein Kopf Befehle erteilt. Sex, Drugs and Rock’n’Roll.  Eine beeindruckende Bergwelt um mich herum, Stille und der funkelnde, unberührte Schnee, indem ich auf den Brettern, die mir hier und jetzt die Welt bedeuten, Spuren hinterlasse in dem Gefühl zu fliegen. Geschwindigkeit. Diese geniale Musik ertönt, macht mich bewegungsunfähig und berauscht im Moment als ich durch den Nebel fahre- nahezu blind auf der Straße, die ich so gut kenne und die mir heute so fremd erscheint. Theater, Film- wenn in „Ex Drummer“ Bilder, Sequenzen, die die Ästhetik des Hässlichen ausdrücken, verschmelzen mit starken Dialogen, die die Anziehungskraft der Perversität darstellen und durch eindrucksvolle Musik einen Film zu einem Kunstwerk abrunden. Man kann sich dem hingeben, was man mit allen Sinnen wahrnimmt. Auf einer Wiese zu liegen, seinem Atem zu horchen, freie Natur- hingabevoll. Die Zeit ist vergessen. Ich tauche unter Wasser und alles um mich herum verschwimmt, ist nur noch gedämpft wahrnehmbar- man entflieht und erwacht zugleich in einem neuen Element. In der Evolution haben sich Delphine entschieden das Leben auf dem Land aufzugeben um unter Wasser zu leben. Sie tauschten ihre Hände, ihr Handwerk gegen diesen kurzen Moment in Ewigkeit. Ob sie glücklicher sind? Realisten behaupten wir wären für das Land geschaffen, man solle leben anstatt zu träumen und arbeiten anstatt einfach Künstler zu sein. Ich bin mir nicht so sicher ob sie recht haben, ob sie wissen von wahrem Moment, wahrem Gefühl, wahrer Kunst. Wahre Kunst ist Gefühl-künstlich. Wahres Gefühl ist Kontrollverlust. Ich hasse es die Kontrolle zu verlieren. Wenn ich morgens aufwache und merke der Traum, in den ich mich fallen ließ, ist vorbei, dann fühle ich mich als lande ich in einem schwarzen Loch. Der Aufprall ist hart, weil so unerwartet. Ich stelle schmerzlich fest abhängig zu sein vom verlorenen Glück. Was passiert, wenn der Moment verflogen ist? Ich bin traurig, weine und verweigere das Aufstehen bis die Pflicht mich abholt. Pflicht bedeutet Zwang und doch ist dieser Weg der einzige, der aus einem schwarzen Loch führt. Rauschmittel im weitesten Sinne vergrößern nur die Fallhöhe. Keine Kompensation. Warum können wir keine Delphine sein? Warum vor allem können wir nicht ewig frisch (und glücklich) verliebt bleiben?

1.5.08 14:46, kommentieren



Sorry, aber Langeweile bringt einen manchmal auf blöde Ideen

Nun sitze ich hier und bin gefesselt an den Ort von dem ich doch so unbedingt so schnell wie möglich weg wollte. Bequemlichkeit kehrt ein. Eine Stunde am Tag ein bisschen kreativ sein, essen, in der Sonne liegen und sich unterhalten, streiten über dies und das- dafür auch noch bezahlt werden und zwar ziemlich gut. Das hört sich wunderbar an. Endlich kann ich die Dinge tun für die man eigentlich niemals Zeit hat. Ich klebe Fotos von längst vergangenen Feten in Alben und erinnere mich an die tollsten Momente, die zwischen diesen 13 schrecklich langen Jahren Schule, lagen. Das Schweben in alten Erinnerungen machen einem wieder bewusst das selbst die bewegendsten Gefühle ein Ende haben. Gefühle sind immer an Momente geheftet. Natürlich bleibt immer etwas zurück- mindestens ein bisschen Melancholie, aber selbst die größte Liebe reiht sich ein in die lange Reihe großer Glücksgefühle, tiefer Trauer und alldem was dazwischen liegt.  Es gibt kein Grund in Mitleid zu versinken, die Achtung vor sich selbst zu verlieren- auch nicht für den tollsten Kerl, für den perfekten Kerl- wenn man einmal davon absieht, dass er uns nicht liebt. Es werden neue Momente kommen, neue Gefühle und hoffentlich bald auch andere Solisten. Das kleine Orchester, das man hier vorfindet, hatte noch nie viele Gitarristen. Dazu hatte ich dann auch noch 'ne wirklich blöde Idee. Ich dachte umso schneller ich renne, umso mehr Abkürzungen ich nehme, desto schneller fühle ich mich frei, desto schneller komme ich los von diesen kreischenden Gitarren in meinem Herzen. Das ging leider nach hinten los:  stattdessen fiel ich in den Orchestergraben und jetzt habe ich mir die Bänder gerissen und sitze hier noch tiefer fest. Manchmal da gibt es wirklich Anlass an Schicksal zu glauben oder zumindest an eine gewisse Ironie, die in alldem liegt. Jetzt habe ich gerade noch so eine blöde Idee- ich schreibe hiermit eine Kontaktanzeige. Suche Gitarristen mit Leidenschaft, rebellischen Gestus (sprich mindestens lange Haare) und Idealismus. Außerdem sollte er über einen starken Charakter (sprich niemanden brauchen um glücklich zu sein) und spontane, verrückte Ideen verfügen.  Bei Interesse schreibt man mir bitte einen netten Kommentar.

3.5.08 23:09, kommentieren

leere bildschrime

21 grammes. meine augen fühlen sich schwer an. ich meide kontakte zur außenwelt. zu lange lag ich in der sonne, zu lange habe ich auf leere bildschirme gestarrt. ich sah nur die bilder vor den geschichten, die andere aus der Fassung bringen. die vögel wie sie fliegen und wie ihre federn zu boden fallen. sequenzen in momenten, in denen wir nicht begreifen wollen und nicht begreifen müssen- das ist es wovon die faszination ausgeht. danke für diesen song- ich mag ihn. der film ist fertig und jemand schaltet um- das politische tagesgeschehen- nazis wieder auf dem vormarsch- Ach Nein doch lieber "was wird aus unseren Kindern" und "was" erst "aus der "rente"? das gefühl des rauschs darf nicht so schnell erlischen- schnell das medium wechseln und die kopfhörer auf. geschwindigkeit- überall die schlimmen dinge. sorgen,ängste- all das hält uns 20sekunden wach. ein guter film vielleicht ein paar minuten- bitte gehe nicht vorbei, bitte nicht! sommer, sonne und bücher- jede menge bücher- nichts anderes wie medien- ich frage: wo ist die welt? ich bereise gerne städte-nur ein kleiner besuch. dort leben oder doch lieber abstreichen? niemals abstreichen. das zweitbeste ist nie gut genug. abwarten- wo bleibt dabei die geschwindigkeit? wer weiß vielleicht ist alles ganz bald vorbei und dann? ich habe gelsen: regelbrechern, nonkonformisten gehört die welt von morgen- aha na dann. keine sorge oder vielleicht doch? glück verspricht die welt nämlich nicht- vielleicht geld. gefühl vorbei- kreativität ende. und jetzt? weitersingen oder untergehen?

1 Kommentar 8.5.08 23:29, kommentieren

Straßen in unwegsamen Gelände

Der Mond leuchtet hell durch den Spiegel im Inneren des Fahrzeugs. Die Nacht ist hell. Einsame Straßen, unbefestigt und schmal, leiten durch die weite Landschaft. Das Licht wirft die Welt in Schatten. Björk- die Welt ist aus dem Gleichgewicht. Es kreuzen sich die Wege. Es kommt zusammen, was zusammen kommen soll und es trennt, was sich trennen soll. Die Welt nimmt ihren Lauf- ob mit uns oder ohne uns. Wer die ersten Straßen für die Menschen baute,  schuf der Menschheit größtes Glück oder auch deren Untergang. „Connecting people“- ein einfacher, aber durchaus genialer Slogan, denn er gefällt.  Doch sollen Menschen aus unterschiedlichster Kultur überhaupt verbunden werden? Überfordern all die Herausforderungen, die sich dem monokulturellen Menschen in der multikulturellen Welt stellen, uns nicht? Der Horizont ist endlich erweiterbar. Man sagt zu viel Geld verderbe den Charakter- vielleicht trifft das auch auf die Menschen mit zu vielen Möglichkeiten zu. Am Ende landen viele beim Bund. Freiwillig nehmen sie die Qual auf sich, schwitzen und leiden- aber nicht fürs Vaterland (Kriegserklärung an Deutschland nicht in Aussicht). Unterwerfung im Sinne der Horizonterweiterung.  Ihr Auftrag ist es Straßen durch unwegsames Gelände zu bauen. Die Entscheidung ob wir dabei Richtiges tun steht uns nicht zu.

18.5.08 14:30, kommentieren

"Heute Nacht habe ich von dir geträumt"

Jede Nacht komme ich in letzter Zeit nach Hause, manchmal ist es noch früh, manchmal schon hell, aber niemals lege ich mich schlafen. Letztes Wochenende versuchte ich festzuhalten wie glücklich ich an diesem einen Abend gewesen bin. Ich war wieder vereint mit den zwei mir wirchtigsten Freunden- nur für einen kurzen Moment. Es war wunderbar hoffnungsvoll  lachen zu können.

In dieser Nacht habe ich geträumt ich könne fliegen. Es war ganz einfach. Ich stand im Wohnzimmer und konzentrierte mich darauf, dass meine Füße vom Boden abhebten. Nach einem kurzen Moment der Anstrengung schaffte ich es. Ich hebte ab und flog durch die offene Terassentür ins Freie. Im Garten versuchte ich an Höhe zu gewinnen, nahm all meine innere Energie zusammen und entfernte mich weiter und weiter vom Boden. Ich konnte es kaum glauben. Alles war so real- ich konnte fliegen ohne das mir je Flügel gewachsen wären.

Ich habe immer wieder diese Träume. Irgendwann gelange ich immer an diesen Punkt an dem alles so real ist.An diesem Morgen blickte ich in den Spiegel und meine Haare waren kurz, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich sie selbst geschnitten oder sie jemand anderen hätte schneiden lassen.

Ein anderer Morgen: In der Stadt stehe ich vor einem Geschäft, das Wolle und all diese Dinge, die man zum nähen braucht, verkauft. Ich gehe hinein und sehe, dass einer von ihnen dort arbeitet. Als ich das Geschäft verlassen habe sehe ich ihn wie er, an die Tür gelehnt, mich ansieht. Er sieht ungeheuer gut aus.  Seine Haare liegen wie immer wunderbar- einzelnen Stränen fallen ihm in sein Gesicht. Doch etwas ist anders: Er lächelt, er lächelt ohne dabei betrunken zu sein.  Alles erscheint total real.

Dann wache ich auf. Ich kann nicht fliegen, meine Haare sind noch lang und ich weiß meine Liebe ist gefangen in Gedanken.

 Es gibt Menschen, die einen immer schon anziehen. Man weiß man hat es mit Idioten zu tun, aber das ist einem egal. Man muss sie nicht heiraten, man will ihnen einfach nur Nahe sein. Sie werden einem die Herzen brechen, aber das  sind sie wert. Ein bisschen Glanz soll von ihnen auf uns herabfallen.  Man himmelt sie an. Wenn man sie kennen lernt, wird man verlernen sie anzuhimmeln. Wir haben es niemals mit Engeln zu tun- alles nur Menschen. Ich will nur eine Nacht- eine Nacht mit einem Engel.

Ich kaufe mir die Bücher, die sie mögen. Ich höre die Musik, die ihnen gefällt. Ich schaue mir die Filme an, die sie begeistern. Manchmal fahre ich in die Länder, die Städte, die Dörfer aus denen sie kommen. Immer in der Hoffnung ihnen zu begegnen und ihnen vielleicht sagen zu können "Heute Nacht habe ich von dir geträumt".

6 Kommentare 18.5.08 21:21, kommentieren

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