Promenaden oder Autobahnen?

Die Diskrepanz ist eine wunderbare Sache. Heute habe ich im Auto "Ärzte" gehört und die haben gesungen von den Dingen, die uns verbinden, weil wir uns in ihnen trennen- so oder ähnlich.

Abi rum; das ewige unglücklich Verliebtsein vorbei; Tschechienurlaub rum; Snowboarden vorbei. Alles neu- whatever.

Ich verdiene jetzt Geld und habe Angst vor dem Lottogewinn-Effekt. Die meisten Lottogewinner haben 5 Jahre nach ihrem Gewinn weniger als vorher. Ich könnte mir alle materiellen Wünsche erfüllen, die ich bis heute habe. Ich könnte reisen. Ich könnte ausziehen. Ich könnte nach Indien fliegen, mein Lebenslauf beflügeln und dem Rest meiner kleinen Welt Sorge bereiten.

Jetzt entscheidet sich, ob wir auf den Promenaden wandeln oder doch lieber direkt zum Ziel. Vom Ziel habe ich ein Begriff: Journalistin will ich sein und schreiben, was die Welt erfahren soll. Ich habe für kurze Momente die Strände gesehen.

Doch statt an den Strand fahre ich mitten in der Nacht zum Fahrerhäuserputzen. Es riecht nach Lack, doch der Geruch verfliegt. Geräusche von Robertern und Farbspritzmaschinen- erst leise und dann unerträglich laut. Meine Gedanken umkreisen die Relativität von Zeit und die Langeweile der Monotonie. Um diese Zeit schlafen die Menschen, während wir ihre Transportmittel schaffen.

Ich treffe Menschen, die glauben hier nichts zu verpassen, die sich zufrieden geben. Mottoradtouren, Fußballspiele, Diskobesuche an freien Tagen, vielleicht Familie oder doch lieber ein neuer Imac- man kann alles haben, was man braucht. Dem Arbeiter im heutigen Kapitalismus geht es vielleicht besser, wie es Marx je hätte für möglich gehalten.

Aber da gibt es auch die Rebellen. Sie wollen das Werk streiken sehen und wenn man sie fragt warum, antworten sie: für alles, gegen alles. Die Rebellion ohne Ziel ist ein blinder Aufschrei aus der Langeweile, der Monotonie. Der Moment, indem ich selbst schreien konnte, war der glücklichste meines Lebens. Ein solcher Moment müsste man ihnen schenken. Ansonsten können wir nur Hoffnung verbreiten, Geschichten erzählen von früheren Tellerwäschern und Postbeamten. Es fällt schwer zu vermitteln, dass es sich lohnt für Träume zu kämpfen, idealistisch zu sein, wenn man es selbst viel leichter hat und gleichzeitig noch nichts geschafft.

 

7.4.08 18:07

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